#20: Französisch-Deutsch-Asiatisch Buchholz

Wer meint, in Französisch-Buchholz gehe es sehr französisch zu, den muss ich enttäuschen. Schwarz-rot-gold ist die Fahne, die weht. Oder besser gesagt: schwarz-rot-weiß und trägt einen Adler mit hässlicher Fratze. Reichskriegsflaggen im Kleingarten. Blut und Ehre statt Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Hier anscheinend ganz normal.

Internationaler wird es im vietnamesischen Restaurant „Thanh Binh“. Auf der Karte stehen chinesisches Chop Suey, indonesisches Bami und Nasi Goreng, japanische Ramen und koreanische Nudeln – was auch immer Letzteres sein mag, denn serviert werden sie mit japanischer Teriyaki-Soße. Nur kein einziges vietnamesisches Curry- oder Tofugericht findet sich. Es scheint aber noch eine zweite Karte zu geben, die mir verborgen bleibt, denn an anderen Tischen verzehren die Gäste Sushi, von dem in meiner Karte nicht die Rede war. Erinnerung: Dies ist ein vietnamesisches Restaurant!


Während ich Hühnchen nach Szechuan-Art (chinesisch) bestelle, philosophiert der Mann am Nachbartisch, dass sein Fleisch auch gut Koala-Fleisch sein könne, schließlich gebe es davon gerade genug nach den Bränden in Australien. Auf die Nachfrage seiner Frau, ob er denn wisse, wie Koala-Fleisch schmecke, antwortet er: „Nee, deswegen ja.“


Verübeln kann ich ihm die Aussage nicht. Das Essen ist eine einzige Glutamatschlacht. Ob Koala, Ente, Wasserschildkröte – Chinesisch, Japanisch oder Samoanisch – alles eine Grütze. Bon appétit!

Nachtrag: Erst bei einem Blick auf die Karte bemerkte ich, dass der o. g. Kleingarten noch ganz knapp in Blankenburg liegt, man mag mir diesen Fauxpas verzeihen.





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