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#19: Fennpfuhl – Rentnercity

Aktualisiert: Jan 26

Ich wohne im Prenzlauer Berg. Im Prenzlauer Berg gibt es keine Rentner. Ich weiß jetzt, wo sie alle sind: im Fennpfuhl.

Bekrückt, mit Rollatoren, Elektroquads und sonstigen Gehhilfen ausgestattet bewegen sie sich im Schneckentempo Richtung Coconut Bar, dem Partyzentrum Fennpfuhls auf dem Anton-Saefkow-Platz. Schon zur Mittagszeit sind alle Plätze belegt und die Stimmung leicht beschwipst und extrem gut drauf. Schließlich gibt es Cocktails mit Schirmchen und bunten Strohhalmen. Wer es gediegener mag, lässt es sich beim Inder nebenan gut gehen, der bis vor Kurzem noch ein Grieche war und auch dessen Wandbemalung mit griechischen Landschaften und Dörfern übernommen hat. Ein paar Statuen vom hinduistischen Elefantengott Ganesha dazu und das Ganze fällt gar nicht auf. Das Essen ist okay, im Vergleich zu den sonstigen Restaurants im Fennpfuhl vielleicht sogar herausragend gut, aber das ist nur eine Vermutung.

Abgesehen von den Rentnern fallen mir noch zwei weitere Spezifika Fennpfuhls ins Auge: die beiden russischen Supermärkte, vor denen selbst im Februar bei Minus zwölf Grad hart gesottene russische Männer Plombir-Eis genießen – Eis geht halt immer – und die bunt bemalten Fassaden der Ostplattenbauten. Wohl angebracht, um ein wenig Farbe in den ansonsten grauen Plattenbauwald zu bringen. Tatsächlich wirkt es irgendwie freundlich. Wem das noch nicht reicht, der geht zur Naherholung in den Park, wo ich eine Ratte dabei beobachtete, wie sie einem Schwan das Mittagessen stibitzte. Ich muss schon sagen: Es gibt unsympathischere Stadtteile.








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