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#16: 5 Irrtümer über Dahlem

Aktualisiert: 3. Nov 2019

1. Der Botanische Garten ist in Dahlem zu Hause

Falsch gedacht, dieser begrünt nämlich Berlin-Lichterfelde. Dennoch gilt Dahlem als grüne Oase. Das mag unter anderem an der Domäne Dahlem liegen.

2. Die Domäne Dahlem ist riesig

Als ich auf der Webseite des alten Ritterguts und heutigen Freilichtmuseums und Bauernhofs las, man solle sich, wenn man nur 1–2 Stunden Zeit hätte, bei seinem Besuch auf einen Bereich beschränken, da man sonst gar nicht alles schaffen könne, hatte ich mich auf einen mehrstündigen Spaziergang durch Felder, Obstgärten und Weiden mit grasenden Tieren gefreut. 12 Hektar klang nach Weite und nach einsamen Ecken. Der Inhalt – Felder, Obstgärten und Weiden mit grasenden Tieren – der war vorhanden. Aber selbst wenn man in Ruhe die Schweine beim Sonnen beobachtet oder die verschiedenen Kohlsorten nach ihrem Duft errät – spätestens nach einer halben Stunde hat man alles gesehen. Ganz schön war es trotzdem, auch wenn einen die angrenzenden Stadtvillen schnell der Illusion berauben, man befände sich tatsächlich im Ländlichen. Die Domäne-Dahlem ist übrigens Deutschlands einziger Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss.




3. Dahlem hat den schönsten Bahnhof Europas

Der U-Bahnhof Dahlem-Dorf wurde 1987 in Japan zum schönsten Bahnhof Europas gekürt. Seine Gestaltung schreit geradezu nach (nord-)deutscher Volkstümlichkeit und darin mag vielleicht auch die Beliebtheit bei den Japanern begründet liegen. Für den Deutschen ist es nicht mehr als ein einfaches Fachwerkhaus mit Reetdach, das sich in seiner Optik an das ländliche Dahlem des Jahres 1912 anpassen sollte – ein Wunsch Kaiser Wilhelms des II. Im Inneren dunkles Holz und blaue Fliesen. Ich kann mir Schöneres vorstellen.



4. In Dahlem trifft man nur auf reiche alte Leute

Das ist natürlich ein doofes Vorurteil, das ich unwissende Zugezogene habe. Denn die FU hat ihren Sitz in Dahlem und so trifft man hauptsächlich auf Studenten. Bei einem Abstecher aufs Unigelände sollte man unbedingt einen kurzen Blick in die Philologische Bibliothek werfen. Hier lernt es sich in futuristischem Ambiente. Ein Gebäude wie aus einem Science-Fiction-Film, ein als Raumschiff getarnter Bücherpalast unter einer Glaskuppel. Die alten und jungen Reichen sehe ich nur einmal in Dahlem. Auf der Domäne. Dort halten sie ein Picknick ab mit einem Sektkühler, der locker 8 Flaschen Champagner fasst.



5. In Dahlem gibt es keine modernen Läden, in denen man essen kann

Na gut, dieses Vorurteil habe ich mir gerade ausgedacht. Irgendwie muss ich ja die Kurve zum Essen kriegen. Der Burgerladen „really good life“ jedenfalls ist alles andere als verstaubt. Angeboten werden neben den normalen Fleischpattyburgern auch vegetarische und vegane Alternativen, variierend je nach Jahreszeit, z. B. der Hanf-Grünkohl-Burger oder der Kürbis-Chia-Burger. Ich entscheide mich für letzteren und bestelle dazu noch die hausgemachten Pommes. Das Vollkornkörnerbrötchen knackt beim Reinbeißen, ist innen gleichzeitig sehr zart und ergänzt den aromatisch-süßen Kürbispatty perfekt; ich finde eh, dass Vollkornbrötchen den Geschmack eines Burgers viel besser hervorheben als schlabbrig-weiche Milchbrötchen. Wer alle Vitaminakkus wiederaufladen möchte, bestellt am besten noch einen der vielen Smoothies mit vielversprechenden Wirkungen, etwa „Botox to go“ oder „x-tra long life“. Der heiße hausgemachte Apfeltee tut vor allem meiner Seele gut. Das Highlight des ganzen Besuchs ist aber der Toilettengang. Über eine Miniwendeltreppe gelangt man in den winzigen Keller, der aus einem Landhausmagazin entsprungen sein mag. Die Toilettenfenster sind mit süßen roten Vorhängen verziert, alles ist in weißem Holz gehalten, versperrt wird mit einem Riegel. Selten erlebt, dass sich jemand so liebevoll mit der Gestaltung der Toilette beschäftigt hat.




Really good life, Königin-Luise-Str. 44, Berlin-Dahlem, Mo–So 11–21 Uhr

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