#13: Sushi in Buckow

Aktualisiert: 3. Nov 2019

In den Berliner Medien las ich just vom Oberhaupt eines arabischen Clans, der sich in bester Buckower Lage eine Villa gekauft und zum Hauptquartier der Familie erklärt hatte. Finanziert vermutlich mit Geld aus illegalen Geschäften, daher war die Polizei in Buckow zuletzt sehr präsent gewesen.


Umso erstaunlicher, dass Buckow eher kleinstädtisch und bürgerlich daherkommt. Gemütliche Bungalows reihen sich an Ein- und Mehrfamilienhäuser aller Größen. Daneben Plattenbauten, die sich von ihren hübscheren bunten Verwandten in Ost- und Westberlin durch ihr schmutzig anmutendes Äußeres unterscheiden. Wer einmal dachte, Waschbeton wäre eine gute und pflegeleichte Variante, um Fassaden lange zu erhalten, der hatte wahrscheinlich recht, aber dabei wohl kaum das Wohlgefühl der Bewohner oder gar Ästhetik im Sinn. Dreckiges Grau, neben miefiger Straße bei kaltem düsteren Novemberwetter. Schön. Nicht.


Und genau in der Mitte von Buckow thronen die ähnlich nach Beton schreienden Hochhauskomplexe der Gropiusstadt, den meisten Berlinern und dem Nichtberliner wohl vor allem bekannt aus „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als Christianes Wohnort. Seit 2002 wird die Gropiusstadt als eigener Ortsteil geführt und reißt Buckow somit in zwei voneinander abgetrennte Teile, in Buckow 1 und Buckow 2. Grenzöffnungen, Mauerfall, Welten wuchsen in Berlin zusammen. Allein Buckow liegt in zwei Stücke zersägt.


Viel zu bieten hat Buckow indes nicht. Eine Sache gibt es aber. Der kleine japanische Imbiss „Hanabi“. Zwischen „Getränke Hoffmann“ und einem Kfz-Dienstleister gelegen mag man ihn fast übersehen. Aber das genauere Hingucken lohnt sich. Nach 12 Stationen auf meiner Reise durch alle 96 Ortsteile Berlins ist „Hanabi“ das kulinarische Highlight!


Wie so oft bin ich der einzige Gast in dem Laden, das macht hier aber gar nichts. Durch die Wärme, und die laute, aber nicht aufdringliche Musik fühle ich mich trotzdem wohl und überhaupt nicht beobachtet. Letzteres mag auch daran liegen, dass die Restaurantbetreiber unablässig damit beschäftigt sind, Bestellungen über das Telefon anzunehmen und Sushis zu rollen. Der Laden läuft. Ich bestelle das vegetarische Sushi-Menü, dazu Edamame (grüne, mit Meersalz gewürzte Sojabohnen) und einen Jasmintee. Mit Superlativen bin ich eigentlich zurückhaltend, aber es ist das beste Sushi, das ich bisher gegessen habe. Neben den üblichen Avocado/Gurke/Shiitake-Makis und -Inside-out-Rolls entdecke ich zwei Sorten, die ich noch nicht kannte: Inari Nigiri, süße, mit Reis gefüllte Tofutaschen, und Tamago Nigiri, das zwar nach mariniertem Tofu aussieht und auch so schmeckt, in Wirklichkeit aber mit einer Art Eierstich belegt ist. Ich verbringe einige Zeit bei „Hanabi“, lutsche gemütlich die Bohnen aus den Sojaschoten und genieße den warmen Jasmintee, während draußen der Herbst volle Fahrt aufnimmt. „Hanabi“ bekommt ein Krönchen für Essen und Wohlfühlfaktor.



Und Buckow? Na ja, hin muss man nicht.



Hanabi, Rudower Str. 156a, Berlin-Buckow, Mo–So, 12–22 Uhr

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