#11: Britz, du Wundertüte …

Aktualisiert: 3. Nov 2019

… was hast du dir nur dabei gedacht, mich so zu überraschen? Das hätte ich dir nicht zugetraut. Zu genau war meine Vorbereitung, bloß nix auslassen. Recherche, Recherche, Recherche. Und trotzdem zauberst du so viel Unbekanntes, Ungewohntes und Fantastisches aus dem Hut, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

Dass nicht alles nach Muster verlaufen würde, das hätte ich mir schon denken können, als du ein Eichhörnchen über die viel befahrene Buschkrugallee gejagt hast. Das mutige kleine Kerlchen manövrierte sich so sicher durch die fahrenden Autos, dass es nie ernsthaft in Gefahr war.

Eine Überraschung nach der anderen ziehst du danach aus der Tüte.

Zum Beispiel die Brunnen im Rosengarten des Britzer Gartens. Gib's zu, die hast du nur für mich allein dort aufgestellt. Mir eingefleischtem Hieronymus-Bosch-Fan wolltest du eine Freude machen, die dir wahrlich gelungen ist. Der Vogel, der die Sündigen mit Weintrauben füttert, ein anderer, der über Liebende wacht, und das phallusartige Zentralmotiv, das sich durch alle drei Teile in Boschs Triptychon „Garten der Lüste“ zieht. Ich danke dir so sehr dafür!





Oder die Monsterkarpfen im See, die auch aus Boschs fantastischer Welt entsprungen sein könnten. Oder die Ziegen oder die riesigen Kaulquappen oder die Schildkröten … ich könnte so vieles aufzählen.





Und danke, dass du mir so viele Aussichtspunkte und Schaukeln zur Verfügung gestellt hast, an denen ich mich entspannen konnte. Mit dem ganzen Garten hast du eine wundersame Welt erschaffen.



Zum Taut-Fan hast du mich im Übrigen auch gemacht. Bruno Taut, der Architekt des frühen 20. Jahrhunderts, der schon die Tuschkastensiedlung und ihre bunten Häuser in Bohnsdorf gebaut hat und der ein 360 Meter langes Gebäude in Form eines Hufeisens in deine Mitte legte, dieser verrückte Kerl! Umgeben von weiteren Häusern mit bunten Türen, schräg geformten Fenstern und geometrischen Formen, Ecken und Kanten. UNESCO Weltkulturerbe um ein Weiteres. Ich kann ihn nun so gut verstehen.



Und was war das eigentlich mit diesem Spielplatz und seinen tollen Gerätschaften, der allein schon ein Kunstwerk für sich ist? Nur durch die Bäume schimmernd hast du ihn mir gezeigt und doch hat er sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Ein riesiger Spiel- und Kletterpark im Park Buschkrugallee, der so fantasievoll und schräg gestaltet ist, dass es mich zwischen die wenigen Kinder dort zog.





Gut genährt hast du mich auch. Das grenzte fast schon an Völlerei. Mittagsbuffet im chinesischen Restaurant „Royal Gourmet“. Frühlingsrollen, Wantans, japanische Teigtaschen, gebackenes Hähnchen, frittiertes Hähnchen im Teigmantel, Pommes … das Gemüse hatte bei mir Pause. Und das alles in dem authentisch chinesischen Gebäude im Hui-Baustil. Der Pflaumenwein zum Abschluss machte es perfekt.



Mit dem Schloss Britz hast du mich allerdings etwas enttäuscht. Das macht aber nichts. Es sei dir verziehen. Immerhin hast du dafür ganz unverhofft Tiere auf den zugehörigen Gutshof gezaubert. Und Hochzeitspaare, die für ihren großen Tag genau den richtigen Ort ausgesucht hatten.







Nur die Britzer Mühle – die musst du mir fürs nächste Mal lassen. Dafür hast du mich zu sehr mit deinen anderen Geschenken in Gefang genommen. Dabei wollte ich so gerne das Brot kosten, dessen Mehl eigens in der Mühle gemahlen wird. Das hebe mir bitte auf.

Ich freue mich schon, wenn wir wieder zusammenkommen. Bis dahin mach es gut, bleib so besonders und voller Überraschungen. Adios. Auf Wiedersehen.


Royal Gourmet, Mohriner Allee 50, Berlin-Britz, Mo–So 12–23 Uhr

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