#10: Borsigwalde im Kleinen

Aktualisiert: 3. Nov 2019

Wenn man nicht so richtig weiß, was man über einen Ortsteil schreiben soll, dann muss man sich an den einfachen Dingen aufhängen.

Zum Beispiel, dass Borsigwalde der erste Ortsteil in Westberlin auf meiner Tour ist, was schon etwas verwunderlich ist. Bin ich doch bereits bei Nummer 10. Oder dass Borsigwalde einer der jüngsten Ortsteile überhaupt ist. Die Besiedlung fand erst um 1900 statt, als die Firma Borsig (Maschinenbau) ihr Werk nach Tegel verlegte und als Namensgeber des Ortes Wohnungen für die Belegschaft baute. Die roten und bunten Klinkerbauten sind heute noch als komplette Straßenzüge erhalten. Gewohnt haben die Arbeiter dort allerdings eher nicht. Die hygienischen Bedingungen waren aufgrund der fehlenden Wasserleitungen, Kanalisation und Müllabfuhr katastrophal. Dafür waren und sind die Häuser auch heute noch sehr schön anzusehen.



Oder man schreibt darüber, dass Borsigwalde ganz schön klein ist und ich mich doch sehr wundere, dass trotzdem kaum Fußgänger oder Fahrradfahrer in den Straßen unterwegs sind. Den Grund dafür erfahre ich etwas später, als ich am Sportplatz vorbeikomme. Der SC Borsigwalde spielt gegen … ja, gegen wen eigentlich? Ich weiß es nicht, aber das Spiel ist ein echter Straßenfeger. Fußball hat Bedeutung in Borsigwalde. Anders lässt sich dieser Umstand nicht erklären, und auch nicht der, dass der Suchbegriff „Borsigwalde Sehenswertes“ bei der Google Bildersuche nur Ergebnisse vom Fußballverein ergibt.

Andere Menschen treffe ich im zweiten Highlight Borsigwaldes, nämlich im örtlichen Toys "R" Us. Als Kind von mir geliebt, spricht mich heute eher das denkmalgeschützte alte Fabrikgebäude an. Direkt neben dem Spielzeugmarkt hat sich das Jobcenter niedergelassen. Eine schlaue Symbiose. So kann Shania das geflügelte Pferd mit dem blinkenden Horn wenigstens mal probespielen, während Mutti nebenan um Waschmaschine und Bekleidungszuschuss feilscht.


Wiederum wie ausgestorben bietet sich das indische Restaurant „ATMA“ dar. „Essen für Körper, Geist und Seele“ lautet das Motto und so finden sich unter anderem ayurvedische und vegane Speisen auf der Karte. Das „Mung Dal“ aus Mungbohnen und Spinat mit Kurkumareis als Beilage schmeckt meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele hervorragend und sehr würzig. Zu viel versprochen wurde nicht. Nur die Einrichtung mit orangefarbenen Wänden und roten Tischdecken und die Wachstuchdecken mit Blumenmuster im Außenbereich würde ich noch mal überdenken.



Für Körper, Geist und Seele ist gesorgt und fürs Auge übrigens auch, denn mir persönlich gefallen in Borsigwalde die Haustüren am besten. Grün, orange, altrosa. Mit Fenster oder ohne. Auf die kleinen Dinge kommt es an. Nicht nur im Leben, sondern auch in Borsigwalde. Und wenn es nur die Haustüren sind.



Restaurant ATMA, Räuschstr. 57A, Berlin-Borsigwalde, Di–So 11–23 Uhr


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